Luftschiffstation Luzern

Der erste Zeppelinbesuch und seine Folgen

Es war der 1. Juli 1908 als erstmals ein lenkbares Luftschiff am Himmel über Luzern schwebte. Der LZ 4 – ein Zeppelin mit 15 Mann Besatzung – machte seine berühmte Reise durch die Schweiz. Ein Beobachter schildert das Ereignis wie folgt:

„Ich erinnere mich noch gut, wie wir durch das ungewohnte Motorengeräusch vom Mittagessen aufgescheucht auf das Hausdach rannten, um das Wunder der fliegenden Riesenzigarre beinahe andächtig zu bestaunen.“

Das Luzerner Tagblatt schrieb:

„Durch sein plötzliches Erscheinen über Luzern hat der kühne Graf in allen vier Ecken des Erdballs auf unsere Stadt aufmerksam gemacht, was, abgesehen von der welthistorischen Bedeutung des Ereignisses, sehr wohl das Danktelegramm des Grossen Stadtrates wert war.“

Dieser Besuch war ein historischer Moment und die Frage „Zeppelin gesehen?“ war überall zu hören. Die Neugier und das Interesse war endgültig geweckt. Das Kurkomitee verhandelte mit der französischen Compagnie transaérinne „Astra“ die Luftschiffstation in Luzern und die damit verbunden Ausflugsrunden zu errichten.

Nutzung

Die Eröffnung der „Ersten Schweizerischen Luftschiffstation“ fand am 24. Juli 1910 statt. Um 11:30 Uhr wurden die Halteseile des Zeppelins „ville de Lucerne“ losgelassen. Sogar in den Nachbarländern sorgte das für Beachtung. Die Zürcherische Freitagszeitung schrieb:

“ …Man kann es nur mit der Einweihung der ersten Eisenbahn auf Schweizer Boden vergleichen. …Luzern hat das Glück Ausgangspunkt dieser neuen und grandiosen Errungenschaft des modernen Verkehrs in der Schweiz zu sein.“

Die „Alpine Luftfahrt“ wurde gezielt als touristisches Symbol eingesetzt, um mehr Gäste nach Luzern zu bringen.

Nach glänzenden Erfolgen in den Eröffnungswochen stellten sich bald betriebstechnische Schwierigkeiten auf. Die französische Gesellschaft konnte die gestellten Erwartungen nicht mehr Erfüllen. Die Aero-Genossenschaft kündete den Vertrag und verfasste einen neuen mit der Luftverkehrgesellschaft Berlin, welche auch nicht lange hielt.

Im Sommer 1912 beeinträchtigte die schlechte Witterung den Flugverkehr so stark, der Betrieb in finanzielle Schieflage geriet und der Betrieb eingestellt werden musste.

Nun flogen nur noch Flugzeuge. Das Tribschenmoos wurde dank zahlreichen Flugmeetings zum Treffpunkt für Flugbegeisterte. Doch der erste Weltkrieg setzte dem Ganzen ein abruptes Ende.

Wiederverwendung

1910 bis 1914 wurde die Luftschiffhalle auch anderweitig genutzt. Im Winter tummelten Hunderte von Luzernern auf dem grossen Eisfeld im Inneren der Halle. Im Sommer 1913 fand das Gedenkkonzert von Richard Wagner mit 150 Musikern und 5’000 Besuchern statt.

Nach ein paar Jahren hat die Halle aber bereits bedeutende Schäden. Wegen zu hoher Kosten für die Reparatur oder gar einen Wiederaufbau liess man die Halle so stehen.

In den Kriegs- & Nachkriegsjahren lagerten die Eidg. Etappenverwaltung Heu und Stroh.

Abbruch

Die Halle stand 1920 schon wieder leer, der Zustand hat sich noch weiter verschlechtert und niemand zeigte mehr Interesse daran. Ein Jahr später kam das endgültige Ende der stolzen Luftschiffhalle: Versteigert für 10’000 Franken und anschliessend komplett abgebrochen. Das Luzerner Tagblatt schrieb:

“ …Während des Abbruchs zeigte sich erst recht, welch gewaltige Dimensionen dieses Bauwerk in sich trug und dass ein gleiches Gebäude innerhalb der Schweiz kaum zu finden sein wird.“

 

 

Weitere Informationen

Artikel „Luftschiffstation Luzern – vom Modell bis zur Eishalle“ im VHS-Magazin 12/5

Fakten aus MuseumPlus